Interview mit Peter Kolb, Geschäftsführer von LogOn Consulting. In der perbit.cloud wird es bald den Talent-Explorer geben, der ein autonomes Profiling der Bewerberdaten vornimmt und somit für ein KI getriebenes Matching sorgt. Deshalb freuen wir uns sehr, dass Herr Kolb sich die Zeit genommen hat, uns einige Fragen zu beantworten.

Wer sind Sie und wie würden Sie sich mit 3 Worten beschreiben?

Mein Name ist Peter Kolb, ich bin Gründer und CEO von LogOn. Die 3 Worte, die mich am besten Beschreiben sind: Digitaler Visionär und Mensch (das waren jetzt zwar 4 Worte, aber das “und” ist sehr wichtig)

Wie und wann sind Sie das erste Mal auf KI aufmerksam geworden?

Das war in einem Kinofilm Mitte der 90er Jahre: „Enthüllung“ mit Michael Douglas – da gibt es eine Szene in der Michael Douglas mit einem virtuellen Assistenten nach Dokumenten sucht. Das hat mich sehr fasziniert und nicht mehr losgelassen. Ich war damals gerade als Recruiter in einer Personalberatung eingestiegen und habe mir so einen Assistenten gewünscht, der mir hilft die passenden Bewerber zu finden. Damals war die Zeit, als wir noch Chiffre Anzeigen in Zeitungen geschaltet haben, um Bewerber zu finden – die Älteren erinnern sich vielleicht noch. Heute ist der Film längst Realität und wir haben virtuelle und intelligente Assistenten für viele Dinge – auch für die Mitarbeitersuche.

Haben Sie direkt eine Verbindung zwischen KI und Recruiting gesehen?

Ja, die Szene im Film hat mich motiviert an dieser Vision zu arbeiten und nicht mehr losgelassen. Es hat dann aber fast 20 Jahre gedauert, bis wir die Technologie entwickelt hatten. Auf dem Weg dorthin sind wir durch viele Phasen der Internetsuche, Datenbanksuche und ähnliches gegangen. Und in den Anfängen waren die Systeme, die wir gebaut haben, zwar sehr funktional und durchaus intelligent. Allerdings hat es immer sehr viel User Interaktion und Input erfordert, um die Maschine zu „füttern“ und die Informationen zum Suchen zu erfassen.

Wie hat sich die Thematik weiterentwickelt ?

Ich sehe die Entwicklung vor allem im Bereich der Autonomie der Systeme. Um wirkliche digitale Assistenten nutzen zu können, müssen diese eine hohe Autonomie haben. Das ist wie bei menschlichen Kollegen. Wir sind auf dem Gebiet der Autonomie der System mittlerweile sehr weit. Für uns ist die KI vor allem die Basis für die Autonomie. Mit unseren Systemen kann man heute digitale Prozesse gestalten, die dem Recruiter automatisierbare Aufgaben abnehmen, Informationen beschaffen und aufbereiten und Entscheidungen vorbereiten. Das gibt dem Recruiter mehr freie Zeit, sich mit dem Bewerber zu beschäftigen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Aus unserer Sicht ist KI heute noch nicht so weit, die Einstellungsentscheidung für den Menschen zu treffen. Wir konzentrieren uns ganz darauf, die Prozesse mit Hilfe autonomer und intelligenter Systeme so gestaltbar zu machen, dass der Mensch sich ganz auf die Bewerber konzentrieren kann. In diesem Zusammenhang ist KI mittlerweile unverzichtbar geworden.

Interview KI im Recruiting Peter Kolb

Nutzen Sie intern Ihr eigenes Produkt?

Ja, natürlich. Wir nutzen es zur Kandidatensuche und haben es fest in den Bewerbungsablauf und die „Sichtung“ der eingehenden Bewerbungen integriert. Lebensläufe lesen wir schon lange nicht mehr, dass macht der digitale Assistent. Und wir experimentieren als „Pilotnutzer“ permanent mit neuen Use Cases und erproben diese zuerst bei uns auf Alltagstauglichkeit. 

Sehen Sie weitere Einsatzbereiche für LogOn? Wenn ja, welche?

Zunächst sehen wir im Recruiting noch viele Einsatzbereiche für unsere Software – zum Beispiel im Führen von ersten Vorstellungsgesprächen oder der Jobberatung für insbesondere junge Menschen. Aber auch außerhalb des Recruitings sehen wir Einsatzfelder der Technologie, zum Beispiel im Erkennen von potentiellen Kunden oder einem Reiseassistenten, der die ideale Reise für Sie findet, ohne dass sie angeben müssen welche Art der Reise Sie suchen. Im Moment konzentrieren wir uns aber ganz auf das Thema Recruiting.

Wie schätzen Sie den Einfluss von KI in der Zukunft ein?

KI wird zunehmenden Einfluss nehmen – in vielen Bereichen. Anders werden wir die stetig steigende Informationsflut nicht bewältigen können, um sinnvolle Entscheidungen treffen zu können. Ich denke KI wird sehr schnell das Feld der sachlich-fachlichen Entscheidungen in vielen Bereichen des täglichen Lebens „übernehmen“. Im emotionalen Bereich glaube ich  aber, dass es noch eine Weile dauern wird, bis KI soweit ist.

 

Vielen Lieben Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

 

Autorin: Yvon Kassens

Webinar – KI im Recruiting